Spielleiten wie ein Drachenfürst

So, du bist also ein n00b und willst vom alten Vermi wissen, worauf es beim Spielleiten wirklich ankommt? Hast du denn überhaupt das Zeug dazu? Hast Vorstellungskraft, Urteilsvermögen, bist nicht auf den Mund gefallen? Na schön, dann pass gut auf. Sieben Dinge sind wichtig.

1.  Kenn deinen Job

RTFM. Lies das verdammte Regelwerk gründlich. Wenn es was taugt, wird es dir deinen Job erklären. Unterhaltsam zu sein, wäre dabei nicht schlecht, aber wichtiger noch sind Fairness und Aufrichtigkeit. SL sein bedeutet, mehr Macht über das Spiel zu haben als die anderen. Doch diese Macht ist nicht gottgegeben, die anderen verleihen sie dir. Missbrauche sie nicht, um jemandem eins reinzudrücken oder dich wichtig zu machen. Ein SL alleine kann eine Runde nicht rocken, egal wie gut er ist. Dazu brauchst du die Spieler. Sie haben auch ihren Job. Mach du deinen, und lass sie ihren machen.

2.  Sei anspruchsvoll

Ein guter SL fällt nicht vom Himmel. Einige werden dir vielleicht sagen, scheiß drauf, dann sei halt ein mittelmäßiger SL. Ich sage: Scheiß auf die! Häng dich rein. Gib dein Bestes. Sei nicht mit weniger zufrieden. Aber mach dich nicht verrückt. Bleib cool und akzeptiere, dass dir nicht alles auf Anhieb gelingen wird. Das erwartet auch keiner von dir. Steh zu deinen Fehlern und mach es beim nächsten Mal besser. Übung macht den Meister – no pun intended.

3.  Sei konsequent

Auf einen guten SL können sich die Spieler verlassen. Als Spieler stelle ich mir die Dinge auf eine bestimmte Art und Weise vor, ich rechne mit bestimmten Konsequenzen, wenn ich etwas tue. Wenn ein SL konsequent ist, mit den Spielregeln, aber vor allem auch mit Ursache und Wirkung in der Spielwelt, dann ist die Spielwelt für mich berechenbar. Natürlich passiert trotzdem manchmal was anderes, als ich erwarte, aber dann weiß ich, dass es dafür einen guten Grund geben muss, denn ich kann meinem SL vertrauen. Konsequenz ist allerdings nicht das gleiche wie Sturheit. Wenn du dich irrst und ein Spieler dich darauf hinweist, zeige Größe und ändere deine Meinung.

4.  Sei flexibel

„Kein Plan überlebt die erste Feindberührung“, sagte Graf von Moltke, und das gilt auch für die Pläne des Spielleiters im Kontakt mit den Spielern. Deswegen ist es noch lange nicht falsch, Pläne zu haben, im Gegenteil. Man muss sie jedoch anpassen können. Bereite dich vor, aber konzentriere dich auf Schauplätze, Hintergründe und Figuren, und sei jederzeit bereit, deine geplanten Szenen umzustellen oder ganz über den Haufen zu werfen. Vermeide Flaschenhälse wenn möglich. Ist ein Flaschenhals unvermeidbar, handle ihn schnell ab und versuche nicht, ihn den Spielern als etwas anderes zu verkaufen.

5.  Sei vorausschauend

Überlege immer, wohin etwas führt. Ein Spieler möchte etwas tun, das eigentlich nirgendwohin führen kann? Überlege, warum der Spieler auf diesen Gedanken kommt, und stelle sicher, dass er die Spielsituation richtig verstanden hat. Du verlangst einen Würfelwurf von den Spielern und gibst ihnen eine Schwierigkeit? Überlege, wie hoch ihre Chance ist, den Wurf zu schaffen. Überlege, was bei einem Fehlschlag passiert. Manchmal lohnt es sich, auf einen Wurf zu verzichten, oder sogar die Dinge etwas zurecht zu biegen, wenn man dadurch vermeidet, dass das Abenteuer in eine Sackgasse läuft. Manchmal muss man aber auch konsequent sein, siehe Punkt 3. Diese Grenze musst du für dich selbst ziehen, das macht deinen persönlichen Stil als SL aus.

6.  Lass den Spielern Raum

Geduld ist eine Tugend. Gerade neue Spieler wollen gerne ausprobieren, was sie in diesem merkwürdigen Spiel alles machen können. Schneide ihnen das nicht ab, dein vorbereitetes Material kannst du noch früh genug unterbringen. Versuche, dich auf das einzulassen, was die Spieler interessiert, und improvisiere, wenn nötig. Walze aber nicht alles langatmig aus. Wenn du merkst, dass die Spieler das Interesse verlieren, kürze den Rest der Szene ab und springe zum nächsten interessanten Ereignis.

7.  Mach, was du geil findest

Hör auf deinen Bauch. Was du machst, soll den Spielern gefallen, aber dir soll es auch gefallen. Vertrau auf deinen Geschmack und darauf, dass du die Spieler am Besten begeistern kannst, wenn du selbst begeistert bist. Das gilt für die Wahl des Spielsystems und Abenteuers ebenso wie für die einzelne Szene am Spieltisch. Achte aber auf die Reaktion der Spieler. Konzentrier dich auf die Sachen, die bei ihnen am Besten ankommen. Die Spieler sind das einzige Publikum, das zählt. Lass dich nicht von dem verunsichern, was irgendwelche Vögel im Internet schreiben.

 

Wenn dir all das gelingt, bist du schon ziemlich gut. Alles weitere sind Feinheiten, die mit der Zeit kommen. Keine Angst. Ich bin schon mal von einer Klippe gesprungen und kann dir sagen: Das einzig Schlimme daran ist der Moment, wenn man oben steht. Je länger man dort steht und nachdenkt, desto schwieriger wird es. Das Beste, was man machen kann: Einfach springen.

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